Lernen ist einerseits ein selbstgesteuerter und individueller, andererseits ein professionell gestalteter und sozialer Prozess, der durch die Kommunikation mit anderen bestimmt wird. Die Leistungsbeurteilung ist ein integraler Bestandteil des Planungs-, Unterrichts- und Lernprozesses.

Leistungsbewertung als Ergebnis fachlich-pädagogischer Überlegungen setzt eine gezielte und kontinuierliche Lern- und Entwicklungsbeobachtung sowie deren Dokumentation voraus. Sie berücksichtigt die Bedürfnisse einer facettenreichen Lerngemeinschaft an den Europäischen Schulen und beruht auf einem gemeinsamen Beurteilungsansatz. Die Leistungsbewertung umfasst und ist Teil des gesamten Lernprozesses und Lernfortschritts der einzelnen Schülerinnen und Schüler.

Sie erfolgt daher nicht (nur) punktuell, und wird nicht rein schematisch errechnet, sondern ist ein fortlaufender Prozess, an dem verschiedene Akteure beteiligt sind (Lehrer, Schüler und Eltern) und der den Fortschritt der Schüler im Lauf der Zeit widerspiegelt. Die Bewertung ist Teil des Lernen-Lehren-Bewerten-Kreislaufs. Für die Leistungsbewertung und -rückmeldung gilt generell, dass sie:

  • wertschätzend ist,
  • die Lernbereitschaft und individuelle Lernanstrengung würdigen,
  • die individuellen kognitiven, sozialen und emotionalen Bedürfnisse einer Schülerin oder eines Schülers vor dem Hintergrund des jeweiligen Entwicklungsstandes berücksichtigt.

Das System der Europäischen Schulen ist stärker auf kontinuierliches Lernen ausgerichtet. Die Leistungsbeurteilung basiert auf einer Kombination von formativen und summativen Leistungsmessungen. Formative und summative Beurteilung werden oft in ausgewogener Weise in die Bewertung einbezogen. Die Fachschaften der ESS einigen sich auf ein kohärentes Bewertungssystem (Harmonisierung) und erstellen darauf basierend einen Bewertungsplan.

Formative Leistungsmessung

Formative Leistungsmessung (von formative: gestaltend, prägend): findet während des Lernprozesses statt und ist integraler Bestandteil des Lernprozesses. Ihr Ziel ist es, Lernfortschritte oder Lernlücken aufzuzeigen (analytische Funktion) und die SchülerInnen während des Lernprozesses gezielt fördern zu können. Formative Leistungsmessung kann sich auf das Wissen, die Fertigkeiten, die Arbeitseinstellung und die Leistung der SchülerInnen beziehen.

Mögliche Formen sind z.B.: mündliche Beiträge, Projekte oder kleine Tests, Exit-Tickets, Zusammenfassung von Inhalten am Ende einer Unterrichtsstunde, Peer- oder Selbstevaluation, Präsentation.

Summative Leistungsmessung

Summative Beurteilung hingegen erfolgt am Ende einer Unterrichtseinheit oder eines Themas durch Prüfungen und benotete Arbeiten. Ihr Ziel ist es, das Erreichen der Lernziele zu überprüfen (diagnostische Funktion) und die Leistung der Schülerinnen und Schüler abschließend zu benoten. Summative Leistungsmessung schließt einen Lernprozess ab. Da zu diesem Zeitpunkt der Lernprozess bereits abgeschlossen ist, ist die summative Leistungsmessung für die individuelle Förderung ungeeignet.


Die Grundlage des Planen des Lehrens, Lehrens und Bewertens bilden die harmonisierten Fachlehrpläne der ESS, die auf der Basis der saarländischen Lehrpläne und der Lehrpläne der europäischen Schulen erarbeitet wurden (hier zu finden). Sollten (noch) keine integrierten Lehrpläne vorliegen, so orientieren wir uns an den Lehrplänen der Europäischen Schulen.

Jeder Fachlehrplan beschreibt allgemeine Ziele, didaktische Grundsätze, Lernziele, Inhalte und die Bewertung. Generell müssen durch bei der Leistungsbewertung die Kriterien Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz erfüllt sein.